Sunnivaleia – eine Wanderung nach Selje, dem Geburtsort der norwegischen Kirche

Hier ein Bericht von Jorund Levorstad

Letz­ten Som­mer ging ich 100 Kilo­me­ter zu Fuss als Pil­ger, zum ers­ten Mal in mei­nem Leben. Die Wan­de­rung ging von Kinn nach Sel­je. Die­se bei­den his­to­ri­schen Orte gaben den Hin­ter­grund für die­se ers­te Pro­be­wan­de­rung an der West­küs­te Nor­we­gens. Die Wan­de­rung begann in Florø. Die Insel Kinn liegt 15 km west­lich von Florø. Sie ist eine der west­lichs­ten Inseln in Nor­we­gen, die dau­er­haft bewohnt ist. Kinn ist bekannt wegen sei­ner alten Mit­tel­al­ter­kir­che, aus dem 11. Jahr­hun­dert n.Chr. Die Kir­che ist mit einer wur­der­schö­nen, ori­gi­na­len Lek­to­rie geschmückt. Sie liegt in der Nähe von Kinnak­lo­ven, einer cha­rak­te­ris­ti­schen Berg­for­ma­ti­on, die einem gespal­te­nen Huf ähnelt.

Auf der Insel Sel­je liegt das Klos­ter und der hei­li­ge Bezirk.Ungefähr im Jah­re 1100 wur­de ein Bene­dik­ti­ner­klos­ter gegrün­det und bis 1475 betrie­ben. Es war St. Alba­nus geweiht und ist ver­mut­lich das ältes­te Klos­ter Nor­we­gens. Der Hin­ter­grund dafür, um hier ein Klos­ter zu grün­den, waren ver­mut­lich Ereig­nis­se, die mit den Sel­ju­män­nern und St. Sun­ni­va zusam­men­hin­gen. St. Sun­ni­va wur­de kurz nach dem Jah­re 1000 n.Chr. als Hei­li­ge ver­ehrt, und Sel­ja war das ers­te Pil­ger­ziel in Norwegen.

Die Legen­de erzählt, dass Sun­ni­va, die Köni­gin von Irland, Prin­zes­sin Bor­ni und die Sel­ju­män­ner kurz nach der Tau­send­jahrs­wen­de nach Nor­we­gen kamen. Sie floh von einem Wikin­ger, der in Irland gewü­tet hat­te, und sie zur Frau neh­men woll­te. Sie woll­te ihren christ­li­chen Glau­ben nicht auf­ge­ben und sie flüch­te­ten in offe­nen Boo­ten über das Meer. Sie hat­ten weder Segel noch Ruder und lies­sen sich dort­hin füh­ren wo der Herr woll­te. Auf die­se Wei­se kam Bor­ni auf die Insel Kinn und Sun­ni­va nach Selja.Die Anwoh­ner auf dem Fest­land glaub­ten die Sel­ju­män­ner und Sun­ni­va waren Die­be und sand­ten den Jarl Håkon zur Insel, um sie zu töten. Sie flüch­te­te mit ihren Män­nern in die Mika­els­höh­le und bete­te, ver­schohnt zu wer­den. Da lös­te sich ein Erd­rutsch und ver­schloss die Höh­le. Spä­ter sah man ein wun­der­li­ches Licht auf der Insel. Köning Olav Trygg­va­son reis­te, zusam­men mit dem Bischof, im Jah­re 996 dort­hin. Sie fan­den Sun­ni­va tot, aber unver­sehrt. Sie bet­te­ten sie in einen geweih­ten Schrein und erbau­ten die ers­te Kir­che auf der Insel Sel­ja. Ich woh­ne in Stårheim.Warum soll man sich nach dem Fer­nen seh­nen, wenn man das Nahe wäh­len kann. Nach­dem uns Pfar­re­rin Bene­dik­te Øen mit einer schö­nen Zere­mo­nie in der Kir­che von Florø auf den Weg geschickt hat­te, gin­gen wir hin­un­ter zum Kai und fuh­ren mit dem Schiff zur Insel Reks­ta. Unser Gepäck wur­de nach Kinn gesandt. Von nun an brauch­ten wir nur Ruck­sä­cke mit dem Tages­be­darf tra­gen. Die Wan­de­rung kos­tet 4.000,- NOK. Im Preis sind Kost, Logi und der Fahr­preis für die Fäh­ren inbegriffen.

Wir waren 16 Teil­neh­mer im alter von 50 bis über 80. Wir wur­den von Pfar­re­rin Kari Lei­ne Balog wäh­rend der gan­zen Wan­de­rung beglei­tet. Die Wan­de­rung ver­lang­te, dass man in guter phy­si­scher Form war, weil wir gros­se Tei­le des Tages wan­der­ten. Wir gin­gen auf asfal­tier­ten Stras­sen, aber auch auf Berg­pfa­den und über meh­re­re Päs­se. Unse­re ältes­ten Teil­neh­mer waren in über­durch­schnitt­lich guter form. Die Über­nach­tun­gen vari­ier­ten vom Matrat­zen­la­ger bis hin zu Ein­zel­zim­mern mit Bad. Die Mahl­zei­ten bestan­den aus einem gemein­sa­men Früh­stück, wo man sich auch sei­ne Brot­zeit für die Wan­de­rung schmier­te. Am Abend gab es ein gemein­sa­mes Abend­essen. Das Wet­ter an der West­küs­te kan sehr ver­än­der­lich sein. Des­we­gen ist es abso­lut not­wen­dig, gutes Regen­zeug und was­ser­dich­te Wan­der­schu­he dabei zu haben. Man muss aber auch kur­ze Hosen, T‑shirts und Bade­zeug mit­neh­men. Wir gin­gen durch­schnitt­lich 20 km am Tage. Auf der Insel Reks­ta gin­gen wir in Sele­våg an Land. Der orts­kun­di­ge Pfar­rer Knut Magne Nes­set führ­te uns, der Län­ge nach, über die Insel.

Das Wet­ter war wech­selnd, ein Bischen Regen, aber auch ste­chen­de Son­ne. Auf der ande­ren Sei­te der Insel, in Rognaldsvåg, wur­den wir von Arne Sun­de empfangen.Er erzähl­te uns, beim Kaf­fe Trin­ken, aus der alten Zeit auf Reks­ta. Nach einem kur­zen Besuch im Gebets­haus fuh­ren wir mit dem Schiff wei­ter auf die Insel Kinn. Eini­ge teil­neh­mer über­nach­te­ten in der alten Schu­le von Kinn. Ande­re wur­den bei unse­rer Gast­ge­be­rin und Frem­den­füh­re­rin Gry Seim ein­quar­tiert. Am Tag dar­auf führ­te uns unse­re Gast­ge­be­rin rund um die Insel. Wir besuch­ten die Höh­len in denen, der Sage nach, sowohl Olav Trygg­va­son, als auch Skjetland‘s Lar­sen, Schutz gesucht hat­ten. Die Tour ende­te in der alten Mit­tel­al­ter­kir­che von Kin­na, die um 1100 n.Ch. erbaut wurde.Von dort aus sieht man direkt in die Schlucht von Kin­na. Gry Seim zeig­te uns die Kir­che und mach­te für uns Musik. Nach einer guten Brot­zeit ging es mit dem Schiff nach Smør­havn. Wir gin­gen ein paar Kilo­me­ter zum Han­dels­zen­trum Smør­havn. Dort tra­fen wir unse­re Wir­te, Kari und Knut Arne Vadøy. Sie erzähl­ten uns die Geschich­te des Han­dets­zen­trums des­sen Wur­zeln bis ins 17. Jahr­hun­dert zurück­rei­chen. Er wur­de zum Teil aus dem Mate­ri­al der alten Kir­che von Frøya erbaut.

Am Abend gin­gen wir zur alten Kir­che von Frøya. Dort hielt Pfar­rer Fri­d­leif Lyder­sen von Farøy eine klei­ne Andacht für uns. Der Nach­hau­se­weg wur­de feucht. So da war es gemüt­lich mit einem guten Abend­essen, das uns Mit­glie­der der Gemein­de ser­vier­ten. Jetzt waren wir schon drei Tage unter­wegs. Wir waren eine fröh­li­che Gemein­schaft gewor­den und unter­hiel­ten uns rege. Jeden Mor­gen jedoch, bevor wir los­gin­gen, hat­ten wir eine hal­be Stun­de Stil­le. Nach eini­gen Wor­ten zum Nach­den­ken von Pfar­re­rin Kari wan­der­ten wir schweig­sam wei­ter. Jetzt ging die Wan­de­rung über Bre­man­ger. Als Beglei­ter hat­ten wir den orts­kun­di­gen Ver­wal­tungs­lei­ter Gun­nar Skjøl­berg. Wei­ter auf die­sem Wege nach Kje­r­peseth und von dort über den Berg nach Ryland. Die­ser Weg war extra für die Pil­ger­fahrt geräumt wor­den. Wir fühl­ten uns sehr pri­vi­le­giert. In Ryland mach­ten wir Brot­zeit. Danach gin­gen wir wei­ter nach Grot­le. An die­sem Tage gin­gen wir weit, 23 km. Wir kamen dann zum alten Fried­hof von Grot­le und gin­gen wei­ter zum Strand von Grotle.

Danach ging es zurück nach Iglands­vik. Dort über­nach­te­ten wir in Hav­ly. Hier hiess es, Stie­fel und Aus­rüs­tung trock­nen, nach­dem wir meh­re­re Tage im Regen mar­schiert waren. Am vier­ten Tage unse­rer Wan­de­rung schein­te die Son­ne von einem wol­ken­frei­en Him­mel. Wir gin­gen von Hav­ly nach Hau­ge. Wei­ter über Hågs­sa­ket und hin­un­ter zum Dale­vat­net. Wir assen bei der alten Schu­le von Dals­hei­men. Von hier aus begann der Auf­stieg über einen Pass und danach hin­un­ter nach Old­ei­de. Wei­ter ging es mit der Fäh­re nach Måløy. Hier beka­men wir eine Ein­füh­rung in die Geschich­te der Stadt von Ter­je Sølvberg und besich­tig­ten die Kir­che. Beim Iva­ha­vet traf­fen wir die Boot­grup­pe ”über Stock und Stein”. Wir ruder­ten mit zwei ”Sechsern mit Steu­er­mann” zum Leucht­turm von Ulvesund. Beim Leucht­turm von Ulvesund hiess uns Søl­vi Hop­land will­kom­men. Die Son­ne sank ins Meer um 23.00 Uhr und färb­te alles rot. Wir waren gespannt auf den fünf­ten Tag. Wir soll­ten nach Brygg­ja gehen. Die­ser Teil der Wan­de­rung wur­de inzwi­schen eva­lu­iert. Nächs­tes Jahr wer­den wir sicher eine ande­re Rou­te wäh­len. Wir hat­ten wun­der­ba­res Wet­ter und es war ein schö­ner Tag zusam­men mit unse­rer Füh­re­rin Anne-Kare­ne Veder­hus. An die­sem Abend wur­den wir von gast­freund­li­chen Fami­li­en in Tot­land und Umge­bung bewir­tet. Wir über­nach­te­ten im Fjor­dly Land­wohn­heim. Am nächs­ten Tag gin­gen wir in strah­len­der Son­ne ca. sechs Kilo­me­ter hin­auf zum Rimstad-Tal.

Von dort aus führ­te uns Gre­te Fure, Frem­den­füh­re­rin auf dem Stadt­land, hin­über nach Ber­stad. Das war ein alter Han­dels­weg. Hier ging auch die alte Post­rou­te von Sel­je zum Nordfjord. Auf die­ser Rou­te arbeie­te der Ita­lie­ner Pis­sa­ni als Post­bo­te im Fori­gen Jahr­hun­dert. Wohl ange­kom­men in Ber­stad wur­den wir nach Hau­se zur Bür­ger­meis­te­rin Gunn Hel­ge­sen ein­ge­la­den. Jetzt blie­ben nur noch die letz­ten Kilo­me­ter zur Pfar­rei in Sel­je. Wir kamen dort ca um 17.00 an. Wir wur­den fast etwas ver­le­gen weil man dort eine phan­tas­ti­sches Abend­essen auf­ge­tischt hat­te: Kal­te Plat­te auf einer lan­gen Tafel mit Ker­zen­licht und Blu­men geschmückt. Es schmeck­te allen phan­tas­tisch, und alle waren sehr dank­bar für die­se wun­der­ba­re Pil­ger­fahrt. Am Sams­tag Abend waren wir auf einem Kon­zert mit den Kna­ben­chor ”Sølvgut­te­ne” in der Kir­che von Sel­je. Das war ein phan­tas­ti­sches Erlebnis.

Am Sonn­tag, dem 4. Juli, fand die Sel­ju­man­na­mes­se statt. Das war das Ende unse­rer Wan­de­rung. Es war ein schö­ner Got­tes­dienst in den his­to­ri­schen Rui­nen von Sel­je Klos­ter am offe­nen Meer.