Jakobswege

Jakobswege
Ganze dreißig! Pilgerwege verlaufen in Deutschland als Jakobswege und führen ins spanische Santiago de Compostela.
Hier finden Sie sämtliche Wege, Karten und weitere Informationen:
Homepage Deutsche Jakobswege

Homepage Norddeutsche Jakobswege

Hier ein sehr interessanter Artikel von Prof. Dr. Manfred Hermanns über

Jakobswege in Norddeutschland:

Die Via Baltica, der baltische Pilgerweg der Jakobspilger, erstreckt sich von den baltischen Ländern über Usedom, Rostock, Wismar, Lübeck, Hamburg nach Bremen und Osnabrück und führt dann als Westfälischer Weg weiter über Münster, Dortmund nach Köln. Dort verbindet er sich mit den alten Pilgerwegen durch Belgien und Frankreich nach Spanien mit dem Ziel Santiago de Compostela. Südlich von Stade trifft auf den baltischen Pilgerweg die Via Jutlandica, die von Skandinavien über Schleswig-Holstein nach Süden führt. Durch Norwegen ist der Weg identisch mit dem Olavsweg, der nach Trondheim, dem mittelalterlichen Nidaros führt. In Trondheim war der Heilige Olav begraben, der die Christianisierung Norwegens eingeleitet hat. (Vgl. Bernd Lohse: Der Olavsweg. Kiel 2011).

Eine Abzweigung der Via Jutlandica über Kiel und der Pilgerweg entlang der Vogelfluglinie von Dänemark über Fehmarn und Travemünde stößt bereits in Lübeck auf die Via Baltica. 3500 km hat der Jakobspilger von Lübeck aus bis zum Grab des heiligen Jakobus in Galizien im Nordwesten Spaniens noch zurückzulegen, einen Weg vielfältiger unvergeßlicher Eindrücke und Erlebnisse, einen Weg mannigfacher Beschwernisse, aber auch neuer Erfahrungen, die das Leben verändern können.

Der hier in dem Teilstück Lübeck – Hamburg – Bremen vorgestellte Baltische Weg verbindet in Zukunft die baltischen Länder und Skandinavien mit Spanien. Erstmals werden so Nord- und Osteuropa mit Südeuropa durch einen kulturell und religiös geprägten Weg durchgängig miteinander verbunden. Um diesen Weg in Anlehnung an historische Routen zu erschließen, wurde im Mai 2005 in Rostock der „Freundeskreis der Jakobswege in Norddeutschland“ und gegründet. Diese Arbeit erfolgte im Rahmen der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft. Deshalb lag es nahe, den Freundeskreis im September 2006 im Gemeindezentrum der Hamburger Jacobikirche offiziell als Region Norddeutschland dieser Gesellschaft zu konstituieren.

Seitdem wurden ein Fußpilgerweg und ein Radpilgerweg von Lübeck über Hamburg nach Bremen ermittelt. Dabei wurde für den Fußpilgerweg auf dem Teilstück von Bad Oldesloe bis Hamburg von der historischen Route abgewichen, um das erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Benediktinerkloster Nütschau abseits der Pilgerroute aufsuchen und den Weg durch die belebten Verkehrs- und Einkaufsstraßen in den heutigen Vorstädten von Hamburg zu meiden. Der heutige Pilger findet eher Muße und Besinnung im malerischen Alstertal, das fast bis ins Zentrum von Hamburg führt. Der Weg ist hier identisch mit dem Alsterwanderweg. Im Mittelalter wurden dagegen ursprünglich vermoorte Täler eher gemieden. Handels- und Pilgerwege bevorzugten trockenere Landschaften wie die norddeutsche Geest. So bedeutet der gewählte Fußpilgerweg zwischen Bad Oldesloe und Hamburg ein Abweichen von der Bindung an die Geschichte zugunsten der Ansprüche des heutigen Pilgerns. Nur der kürzere Fahrradpilgerweg wurde auf die südlichere der vorreformatorischen Handels- und Pilgerwege von Lübeck nach Hamburg über Krummesse, Sandesneben, Siek gelegt. Aber auch hier wurde ab Rahlstedt der Radpilgerweg zugunsten einer Fahrt durchs Grüne entlang des Flüsschens Wandse gelegt, obwohl der eigentlich historische Weg von Lübeck nach Hamburg über den bereits seit 1539 aufgeschütteten und mit Steinen gepflasterten Steindamm führte, der sich aber zum Radfahren – auch wegen der Unfallgefahr – gewiss nicht eignet. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts wäre der Jakobspilger beim Zugang in Hamburgs Altstadt auf das stark befestigte Steintor getroffen, das mit seiner Zweitürmeanlage Ähnlichkeiten mit dem Holstentor in Lübeck aufwies, aber moderner Stadt- und Verkehrsplanung weichen musste. Auch deshalb bietet die historische Route an dieser Stelle für das heutige Pilgern keinen Anreiz.

Der Pilgerweg durch die Stadt Hamburg und von dort über Altona nach Wedel und nach der Elbüberquerung durch das Alte Land und über Harsefeld – Zeven nach Bremen ist in den Berichten „Jakobspilgerweg in Hamburgs Innenstadt“, dem „Pilgerweg von St. Jacobi bis Wedel“ und „Pilgerweg Wedel – Bremen“ weiter zu verfolgen, die ebenfalls hier bei myheimat veröffentlicht sind. Alle Beiträge zusammen beinhalten den Pilgerführer Lübeck – Hamburg – Bremen.

Die Jakobus-Gesellschaft bemüht sich zudem um Pilgerherbergen oder einfache Unterkünfte, die die Reisenden gegen eine Spende unterbringen (5 bis 10 Euro). Die Wanderer benötigen für den Besuch in einer Pilgerherberge einen Pilgerpass, der sie als ordentlichen Pilger ausweist. Den Pilgerpass bzw. das Credential erhält der Jakobspilger bei der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft in Tempelhofer Straße 21, 52068 Aachen.
Sehr hilfreich sind die 12 Karten, die der Pilger unter dem Titel „Pilgern auf dem Jakobsweg „Via Baltica“ von Lübeck nach Hamburg“ in der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg erwerben kann.

Der 240 km lange Fußpilgerweg von Lübeck über Hamburg bis Bremen wurde mit der goldgelben Jakobsmuschel auf blauen Grund ausgeschildert. Leider werden immer wieder Wegeschilder widerrechtlich entfernt. Im Alstertal kann sich der Pilger zusätzlich an den gelben Pfeilen des Norddeutschen Wanderverbandes ausrichten.

Autor: Prof. Dr. Manfred Hermanns

manfred.hermanns@googlemail.com