Geistliches Material

Wo immer ich bin,
wohin ich auch geh‘,
überall hörst du mein Gebet.
Und fehlen mir Worte,
dann hörst du, Gott,
was mein Herz dir sagt.
So arm mein Gebet auch sei,
du hörst mich.
Und könnte ich nur „Ach!“ sagen,
du wüsstest, was ich sagen will.
Amen


Beten geht auf vielfältige Weise, mit und ohne Worte, im Sitzen, im Gehen und im Stehen. Einige Menschen knien zum Gebet, andere strecken ihr erhobenen Hände zum Himmel aus. Es gibt keine richtige und falsche Art des Betens, nur , es hat jede/r seine eigene.
Alle Gebete und Texte, die hier zu finden sind, stellen ein Angebot dar. Wir wünschen uns, dass etwas dabei ist, was Sie persönlich anspricht und Ihnen hilft, etwas auszudrücken, was sie unbedingt sagen müssen.
Gott möge höre, was sie ihm sagen wollen.

Einladung zum einem Pilgerweg allein oder zu zweit vor der Haustür

Von Pastorin Claudia Süßenbach

Draußen unter freiem Himmel Gottesdienst feiern – das geht noch immer. In Corona-Zeiten nicht in großer Gemeinschaft, aber zu zweit mit dem Partner, der Partnerin oder in der Familie. Oder auch – das besonders im Moment!!! –  allein. Und das Schöne daran: Der Hund darf auch mit dabei sein.

sich einfinden

Sucht euch/ suche dir für den Beginn einen guten und ruhigen Ort, unter einen Baum, an einem Bachlauf, auf einem Stück Grün.

Verständigt euch/ bedenke es für dich welchen Weg ihr nehmen wollt, damit euch diese Frage nicht später beschäftigen muss.

Werdet miteinander still und stimmt euch ein auf euren gemeinsamen Weg. Wenn ihr mögt, schließt für einen Augenblick die Augen. Nehmt die Erde wahr, die unter euren Füßen ist. Nehmt die Geräusche wahr, die da sind. Lauscht der „Musik zum Anfang“, dem Gesang der Vögel, dem Plätschern des Wassers.

Einer /eine spricht ein Gebet:

Gott, Schöpfer* in der Welt,

öffne unsere Augen, um deine Gegenwart zu sehen,

unsere Seelen, um deine Gegenwart zu fühlen,

unsere Herzen, um deine Gegenwart zu lieben,

hier in deiner Schöpfung

und einst in deiner Ewigkeit.

Amen.

Sich verbinden

Mache dich/Macht euch nun gemeinsam auf den Weg. Teilt im Gehen miteinander, wie ihr heute an diesem Tag unterwegs seid. Einer spricht und eine hört zu, fragt vielleicht nach, kommentiert aber nicht. Wenn du allein unterwegs bist, hör dir selbst gut zu – das tun wir viel zu selten. Wenn ausgesprochen ist, was gesagt werden soll, schenkt einander oder euch selbst diesen kleinen großen Zuspruch: „Mit und in allem was ist: Gott schaut dich (mich) liebevoll an.“

Ein fremder Gast auf dem Weg

Lest miteinander einen Bibeltext, z.B. den Predigttext des Sonntags Laetare  (22. März 2020):

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht GOTT: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. (Jesaja 66,10-14)

 Nehmt im Gehen die Predigt der Schöpfung wahr – gern im Austausch miteinander.

Der Text erzählt von Fülle und vom mütterlichen Trost Gottes. Bilder der Fürsorge und des Überflusses prägen die Worte Jesajas.

Macht euch/Mache dich auf die Suche nach Spuren dieser Fülle auf eurem Weg. Entdeckt gemeinsam im achtsamen Wahrnehmen die Spuren der Fürsorge Gottes in der Schöpfung: Neben noch kahlen Bäumen werdet ihr vielleicht Bäume und  Büsche entdecken, die schon in voller Blüte stehen. Zwischen vertrocknetem Gras vom Vorjahr wachsen frische, grüne Halme. Wenn ihr im Wald unterwegs seid, haltet Ausschau nach Buschwindröschen und anderen Frühblühern. Nehmt die Gerüche wahr – berührt behutsam tastend die vollen Knospen der Bäume. Legt euer Ohr an die Rinde eines glatten Baumstammes (z.B. Buche) – wenn es ganz still ist, könnt ihr jetzt im März (und nur im März) das Rauschen seiner Lebenssäfte hören. Vielleicht ist die Luft noch so kühl, dass ihr mit Mütze und Schal unterwegs seid – doch wenn die Sonne scheint, dann haltet eure Gesichter für ein paar Augenblicke in die wärmenden Strahlen und spürt den Unterschied.

Antwort geben

Tauscht euch aus oder denke für dich selbst nach, was ihr von euren Entdeckungen mit in euren Alltag nehmen möchtet/Gehe in dich: Was stärkt und tröstet mich? Erwächst daraus ein konkretes Vorhaben für die nächste Woche?

Wenn ihr mögt/wenn du magst oder mit Kindern unterwegs seid, gestaltet vielleicht gemeinsam ein Mandala – aus Naturmaterialien, die ihr auf eurem Weg gefunden habt. Wenn ihr euch niederbeugt, vielleicht sogar hinkniet, um euer Mandala zu gestalten, kommt ihr der Erde näher als sonst, nehmt noch einmal besonders Verbindung auf zum Heiligen in allem, das wächst, neigt euer Haupt vor dem Geheimnis des Lebens, dem Tröster der Welt.

 Bevor ihr euren Weg beendet, könnt ihr Gott um Trost für die Menschen in dieser verunsicherten Welt bitten. Wenn ihr mögt, nennt dabei konkrete Namen von Menschen, an die ihr besonders denkt:

Wohin wir uns auch wenden, mütterlicher Gott,

erblicken wir dein Angesicht,

finden Spuren deiner Sorge für diese Welt.

Wir bitten dich:

Tröste wie eine Mutter alle, die sich in diesen Tagen um einen kranken Menschen sorgen….

Tröste alle, die sich in diesen Tagen einsam und allein fühlen…

Tröste alle, die sich in diesen Tagen um ihre materielle Sicherheit sorgen….

Lass uns stark sein mit einander und für einander,

achtsam und besonnen,

verbunden mit dir und allem, was lebt.

Amen.

Wenn ihr es im Herzen habt, sprecht miteinander das Vater Unser.

Segen erbitten   

  • Bittet Gott um seinen Segen für den Weg und die Zeit, die vor euch liegt.
  • Segne uns, Gott, die Erde unter unseren Füßen,
  • segne uns, Gott, den Weg, auf dem wir gehen,
  • segne uns, Gott, das, was wir so sehr wünschen.
  • segne uns und unsere Rast.
  • Segne uns, worauf sich unser Glaube richtet.
  • Segne uns, worauf sich unsere Liebe richtet.
  • Segne uns, worauf sich unsere Hoffnung richtet.
  • Gott des Lebens, segne uns den Blick unserer Augen und Herzen.
  • Amen

Pastorin Katrin Jedeck aus Lübeck hat uns zwei ihrer Lieblingstexte geschickt:





Gebet

Vielleicht will es mir heut gelingen,

vielleicht entdeck ich, wie es geht,

dass mir zwei kleine Flügel wachsen

und Rückenwind im Rücken weht.

Vielleicht will es mir jetzt gelingen,

den Stein, der mir im Wege steht,

mit etwas Schwung zu überspringen,

damit die Welt sich weiterdreht.

Dass du mutig deinen Lebensweg gehst,

auch wenn er nicht immer gerade verläuft,

dass wir uns getragen fühlen

von dem Vertrauen, dass da Einer ist

der uns begleitet und uns niemals fallen lässt.

                                             Thomas Knodel

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

Pastor Frank Karpa aus dem Kirchenkreis Ostholstein hat uns diesen guten Vorschlag zum gemeinsamen Alleinpilgern geschickt:

Anleitung zum individuellen Pilgern mit Psalm 23

In Ostholstein und an anderen Orten sind am vergangenen Sonntag Menschen zu individuellen Pilgerwegen aufgebrochen. Auch am kommenden Sonntag, den 29.03.2020, werden wieder Pilgerinnen und Pilger* unterwegs sein. Jeder und jede* einzelne für sich zwar, doch gedanklich verbunden mit anderen, die auch auf dem Weg sind.

Die Idee ist denkbar einfach:

Jede und jeder* sucht sich bei sich um die Ecke ein etwa 15 km langes Wegstück und geht los, am Sonntag gegen 9.30 Uhr und weiß dabei, dass gleichzeitig einige andere unterwegs sind mit den gleichen Impulsen.

Wir gehen, wir schweigen, wir beten, wir singen – jeder/jede* für sich zwar, aber doch irgendwie miteinander. So wird Gemeinschaft spürbar, auch wenn im Grunde jedeR allein geht.

Dass diese Wege wirklich allein gegangen werden, ist dabei natürlich sehr wichtig. Denn über diese Pilgeridee soll es auf keinen Fall zu einer weiteren Ausbreitung des Virus kommen. Deshalb ist es auch nicht geboten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den jeweiligen Pilgerausgangspunkten zu fahren und wenn man unterwegs jemanden trifft, ist selbstverständlich unbedingt der empfohlene Abstand von 1,5 bis 2 Metern einzuhalten. Wer Resonanz geben möchte zu dem, was er/sie* unterwegs erlebt und gedacht hat, kann am Abend oder Folgetag eine Mail schreiben an lohse@jacobus.de.

Ein Osterweg zu zweit

Von Pastorin Claudia Süßenbach

Pilgerweg am Ostermorgen (allein, zu zweit oder in der Kernfamilie)
Dieser Pilgerweg ist ursprünglich für den Ostermorgen 2020 entstanden und sollte mit Sonnenaufgang vom Kloster Cismar bis zum Ruheforst am Brodauer Steilufer an der ostholsteinischen Ostseeküste führen. Angesichts des Corona bedingten Kontaktverbotes wird der Spaziergang so nicht stattfinden können. Aber vielleicht kann das Modell für Einzelpersonen, Zweier-Gruppen oder Familien eine Alternative zu den ebenfalls nicht stattfindenden Osterfrühgottesdiensten sein. Die hier beschriebenen Stationen orientieren sich an der Route zwischen den genannten Orten – lassen sich aber sicherlich leicht auf andere örtliche Gegebenheiten übertragen. Anregungen dazu finden sich im Text. Die Länge des Weges ist dabei nicht entscheidend, aber zwischen den einzelnen Stationen sollte Raum sein für das Gehen im Schweigen und die Wahrnehmung mit allen Sinnen.
Mitnehmen auf den Weg könnt ihr etwas Proviant für ein Osterfrühstück-Picknick, eine Sitzunterlage, ein kleines Fläschchen mit Rosenöl o.ä., ein Teelicht/Kerze in einem Glas als Windschutz, Streichhölzer /Feuerzeug und – falls ihr welche gestaltet habt – Ostersteine (#stärkeralsdertod).
Sich einfinden
Sucht euch für den Beginn einen guten und ruhigen Ort, unter einen Baum, an einem Bachlauf, einer Weggabelung, einer Schutzhütte, am Strand – oder vielleicht auch vor der Kirche, in der ihr heute gern einen Ostergottesdienst besucht hättet.
Verständigt euch über den Weg, den ihr gemeinsam gehen wollt, damit euch diese Frage nicht später beschäftigen muss. Vielleicht habt ihr auch schon Ideen, wo ihr unterwegs Station machen könnt. Doch wenn ihr mit wachen Sinnen unterwegs seid, werden euch die richtigen Orte ganz von allein finden.
Werdet miteinander still und stimmt euch ein auf euren gemeinsamen Weg. Wenn ihr mögt, schließt für einen Augenblick die Augen. Nehmt die Erde wahr, die unter euren Füßen ist. Nehmt die Geräusche wahr, die da sind. Lauscht der „Musik zum Anfang“, dem Gesang der Vögel, dem Plätschern des Wassers.
Wenn ihr euch traut, allein oder zu zweit draußen zu singen, wäre der einfache Kanon „Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr. Suche den Frieden“ ein möglicher, an den einzelnen Stationen wiederkehrender Gesang.
Lesung zur Einstimmung: Nur ein gewöhnlicher Spaziergang…
Es war ein ganz gewöhnlicher Spaziergang im Dämmerlicht,
ein wenig verschlafen noch,
doch dann erwachte ich.
Eine Stimme flüsterte: Kannst du sehen, was ich sehe?
Es war, als würde ein Schleier sich heben
und meine Augen geöffnet für das, was dahinter liegt.
Jeder Atemzug voller Morgenluft
war eine Einladung Gottes zum neuen Leben.
Jede Pfütze auf dem Weg legte mir im Spiegel
den Himmel ans Herz und zu Füßen.
Jeder Tautropfen im Gras
wurde zum Öltropfen, mit der Maria in Bethanien seine Füße salbte.
Jeder Baum auf grüner Wiese

wurde zum Ölbaum im Garten Gethsemane.
Jeder vom Sturm gefällte Ast
wurde zum Balken auf seinen Schultern.
Jeder Feldstein achtlos am Rande des Ackers abgelegt
wurde ein Bruder des Steines, der das Grab verschloss.
Als ich sie erkannte – einen nach dem anderen,
neigte ich still mein Haupt
vor dem Licht der Auferstehung
vor dem Glanz des Göttlichen
in allem, was ist,
in jedem von uns – ob er schläft oder wacht.

nach einer Idee von Sean ÓLaoire
Beginnt in dieser Haltung der Aufmerksamkeit für die österlichen Zeichen Gottes in der Schöpfung euren Weg.

  1. Station: Garten Eden
    „Morning has broken – Morgenlicht leuchtet“, vielleicht drängt sich dieses ursprünglich schottische Volkslied während des ersten Wegstücks auf eure Lippen und in euer Herz. Findet einen guten Ort, wenn möglich mit einem weiten, unverstellten Blick und lasst euch erinnern an den Anfang aller Anfänge:
    Am Anfang war Dunkelheit über der Erde,
    und Gott sprach: Es werde Licht.
    Und weil Gott sprach,
    wurde es licht.
    Am Anfang war Stille über der Erde,
    und Gott sang den Gesang der Schöpfung.
    Und weil Gott sang,
    summten die Sterne und Sphären zur Musik Gottes.
    Am Anfang war Ruhe über der Erde,
    und Gott lachte.
    Und weil Gott lachte,
    erwachten die Wasser
    und strömten und ebbten
    und flossen und fluteten.
    Am Anfang war Ödnis auf der Erde,
    und Gott malte.
    Und weil Gott malte,
    wurde der Himmel blau und orange und rosa,
    und das Gras wurde grün,
    und die Vergissmeinicht lila,
    und Schmetterlinge tanzten in den Farbtropfen
    und wurden die Juwelen der Luft.
    Am Anfang war alles unerkannt,
    und Gott blies seinen Atem aus.
    Und weil Gott seinen Atem in sie hinein blies,
    erwachten Männer und Frauen von ihrem Schlaf.
    Sie atmeten den Atem Gottes
    und standen staunend vor Gottes Werk
    und erkannten den Glanz Gottes
    in allem, was Gott gemacht hatte.
    Und sie sahen, dass es sehr gut war.
    In all unseren Anfängen,
    erschafft Gott etwas Neues.
    Deshalb suchen wir Gott
    In der Frische des Morgens,
    in den wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings.
    Gott, Schöpfer der Welt,
    öffne unsere Augen, um deine Gegenwart zu sehen,
    unsere Seelen, um deine Gegenwart zu fühlen,
    unsere Herzen, um deine Gegenwart zu lieben,
    hier in deiner Schöpfung
    und einst in deiner Ewigkeit.
    Amen.

    „Liturgy of Creation“, © 2003 Wellspring, gekürzte, freie Übertragung ins Deutsche: C. Süssenbach
  2. Station: Bethanien
    Vielleicht findet ihr einen Ort, an dem im Gras noch einige morgendliche Tautropfen funkeln. Betrachtet sie: Tautropfen im Gras, glänzend wie kostbare Perlen. Lasst euch erinnern an Maria, die Freundin Jesu, die mehr sah als die anderen:
    Sechs Tage vor dem Passafest kam Jesus wieder nach Betanien. Dort wohnte Lazarus, den er vom Tod auferweckt hatte. Die Geschwister veranstalteten ein Festmahl für Jesus. Marta bewirtete die Gäste. Lazarus lag mit Jesus und den anderen zu Tisch.Da nahm Maria eine Flasche Salböl. Es war reines, kostbares Nardenöl. Damit salbte sie Jesus die Füße. Dann trocknete sie ihm die Füße mit ihren Haaren ab. Das ganze Haus wurde vom Duft des Salböls erfüllt. Einer von den Jüngern war Judas Iskariot, der Jesus später den jüdischen Behörden auslieferte. Er sagte: Warum hat man dieses Salböl nicht für 300 Silberstücke verkauft und das Geld an die Armen verteilt? Das sagte er aber nicht etwa, weil es ihm um die Armen ging. Sondern er war ein Dieb. Er verwaltete die gemeinsame Kasse und schaffte Geld daraus für sich selbst beiseite. Doch Jesus erwiderte: Lass sie! Nach Gottes Wille hat sie mich schon heute für mein Begräbnis gesalbt. Arme wird es immer bei euch geben. Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch. Johannes 12,1-8 (Basis-Bibel)
    Tautropfen im Gras, glänzend wie kostbare Perlen, wie das Öl, mit dem Maria die Füße Jesu salbte.
    Maria blickt tiefer als alle, die „Hosianna“ schreien und jubeln. Sie sieht die Angst, sieht den Schmerz in Jesu Gesicht. Sie tut, was in ihrer kleinen Macht steht, um den Schmerz zu lindern.
    Wenn ich als Kind Husten hatte, dann hat meine Mutter mir einen Ölwickel gemacht. Dazu hat sie ein Schälchen mit Öl auf der Heizung erwärmt, ein großes Taschentuch von meinem Vater in dem warmen Öl getränkt und mir auf die Brust gelegt. Die wohlige Wärme, die sich dann in mir breit machte und ihr Streicheln über meine Stirn mit öligen Fingern erinnere ich noch heute. Alles wurde dann leichter. Nicht heil, aber leichter.
    Wenn ihr Gelegenheit hattet, euch auf diesen Spaziergang vorzubereiten, dann habt ihr vielleicht ein kleines Fläschchen mit duftendem Öl dabei. Gebt ein paar Tropfen davon in eure Hände und verreibt es zwischen den Handflächen. Spürt die Wärme, die dabei entsteht und den Duft. Vergegenwärtigt euch auf dem nächsten Wegabschnitt Erfahrungen der Zuwendung und des Gesehen-Werdens, die euch auf eurem Lebensweg gestärkt haben.
  3. Station: Garten Gethsemane
    Vielleicht kommt ihr auf eurem Weg durch einen Park mit einer Bank zwischen Rhododendron-Büschen, oder ihr findet eine Gruppe von Bäumen auf einer Wiese, die eine Art Schutzraum bilden.
    Gärten spielen in den Erzählungen von Jesu Leiden und Sterben eine erstaunliche Rolle. Gärten sind Orte des Rückzugs, der Geborgenheit. Wer gerade jetzt in Corona-Zeiten einen Garten hat, hat diesen vielleicht neu schätzen gelernt – als Schutzraum und Freiraum zugleich. Jesus hat sich solch einen Schutzraum gesucht, einen Ort für seine Angst vor dem Tod, einen Ort, an dem Tränen und Angstschweiß ungehemmt fließen konnten. Gefunden hat er ihn im Garten Gethsemane am Ölberg:
    Jesus verließ die Stadt und ging wie gewohnt zum Ölberg. Die Jünger folgten ihm. Als er dort ankam, sagte er zu ihnen: Betet, damit ihr die kommende Prüfung besteht. Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter – etwa einen Steinwurf weit. Dann kniete er nieder und betete. Er sagte: Vater, wenn du willst, nimm diesen Becher fort, damit ich ihn nicht trinken muss! Aber nicht, was ich will, soll geschehen, sondern was du willst! Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Todesangst kam in ihm auf und er betete noch angespannter. Dabei tropfte sein Schweiß wie Blut auf den Boden. Lukas 22,39-44 (Basis-Bibel)
    Teilt an einem geschützten Ort miteinander eure Ängste angesichts der aktuellen Corona-Krise. Was treibt euch den Schweiß auf die Stirn oder die Tränen in die Augen: die Sorge um die eigene Gesundheit, um die Menschen, die euch nahe sind und denen ihr gerade nicht nahe kommen dürft, die Sorge um die berufliche und wirtschaftliche Existenz… . Wenn du allein unterwegs bist, bring deine Ängste in einem stillen Gebet vor Gott oder lass ganz einfach deinen Tränen freien Lauf.
    Wenn du magst, bitte Gott mit den alten Worten eines schottischen Gebets um seinen stärkenden Engel:
    Du Engel Gottes, der du Wacht hältst um mich,
    gesandt vom lieben Vater der Gnade,
    der du die Herde deiner Heiligen hütest,
    der du mich umhegst in der Nacht.
    Halte fern von mir jede Versuchung und Gefahr,
    umgebe mich im Meer der Ungerechtigkeit,
    und in den Engen und Untiefen des Meeres,
    bewahre du mein Lebensboot.
    Sei du eine helle Flamme vor mir,
    sei du der Leitstern über mir,
    sei du der ebene Pfad unter mir,
    und sei ein freundlicher Hirte hinter mir,
    an diesem Tag, in dieser Nacht und allezeit.
    Gebet aus der Carmina Gadelica, Übertragung ins Deutsche: C. Süssenbach
  4. Station: Weg nach Golgatha Euer Weg führt euch vielleicht an einem von den letzten Winterstürmen umgestürzten Baum oder abgebrochenem Ast vorbei – hier wäre ein guter Ort für diese Station. Lasst euch erinnern an einen Mann, der unfreiwillig zum Weggefährten Jesu wurde. Die Soldaten führten Jesus zur Hinrichtung. Unterwegs hielten sie Simon von Cyrene an, der gerade vom Feld zurückkam. Sie luden ihm das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus her trug. Lukas, 23,26 (Basis-Bibel) Ob Simon Angst hatte, als man ihm den Balken auflud? Angst, diesen Balken nicht wieder loszuwerden, am Ende selbst daran zu hängen? Ob er erleichtert war, als man ihm – angekommen auf Golgatha – das Kreuz wieder vom den Schultern nahm? Ist er geblieben oder hat er sich schnell und unauffällig davon geschlichen?
    Nehmt euch einen Moment Zeit, um an die Menschen zu denken, die in diesen Tagen – mehr oder weniger freiwillig – zu Weggefährten werden, die wie Simon helfen, dass Kreuz der Corona-Krise zu tragen, obwohl sie selbst Angst haben, sich zu infizieren: Ärzte und Ärztinnen, Pflegepersonal, Angestellte im Supermarkt… . Sprecht leise oder laut einen Dank an all diese Kreuzträger aus.
  5. Station: Gartengrab
    Wenn möglich, lasst euren Weg auf einem Friedhof oder in einem Ruheforst enden. Oder sucht einen großen Findling, der euch zum Bild für den weggewälzten Stein vor dem Grab wird. Stellt eure mitgebrachte Kerze mit Windschutz auf den Stein und entzündet sie. Legt die bemalten Ostersteine mit dazu. Wenn ihr keine Kerze dabei habt, versucht euch zur mittlerweile aufgegangenen Sonne auszurichten. Nehmt euch noch einmal Zeit, um still zu werden und dem Osterlob der Schöpfung um euch herum zu lauschen. Dann hört die Osterbotschaft: Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome duftende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen. Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf. Unterwegs fragten sie sich: Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen? Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war. Sie gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr. Aber er sagte zu ihnen: Ihr braucht nicht zu erschrecken. Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt worden ist. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten. Macht euch auf! Sagt es seinen Jüngern und besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich. Markus 16,1-8 (Basis-Bibel)
    Die Frauen laufen davon, zitternd vor Angst, und sagten niemandem etwas von dem, was sie erlebt hatten. Auch mit dem leeren Grab ist die Angst nicht schlagartig vorbei. In diesen Zeiten brauche ich die Botschaft von der Auferstehung von den Toten ganz besonders. Ich möchte aus vollem Herzen den alten Osterruf anstimmen: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden“, aber noch ist es nicht mehr als ein leises, hoffnungsvolles Flüstern, das über meine Lippen kommt. Doch die Schöpfung um mich herum erzählt in diesen Tagen in jeder Knospe, jedem grünenden Blatt davon, dass sich überall Auferstehung ereignet, dass das Leben stärker ist als der Tod. Gelobt seist du, Gott, für diesen Auferstehungstag, für dein Licht, das hartes Holz grünen lässt, das aus totem Laub Buschwindröschen erweckt. Lass unsere Seelen Hoffnung atmen, für die Erde und ihre Geschöpfe. Für die Gemeinschaft der Menschen, lass unsere Seelen Hoffnung atmen. Segne uns mit dem Licht dieses Auferstehungstages, das stärker ist als der Tod, an jedem Tag und in jeder Nacht unseres Lebens, an jedem Tag und in jeder Nacht unseres Lebens. Amen.
    Wenn euer Weg auf einem Friedhof endet, tragt ihr die Osterbotschaft vielleicht in Gestalt eurer Ostersteine zu den Gräbern und legt diese dort ab, wenn euer Weg auf einem Friedhof endet. Oder ihr verteilt die Ostersteine auf dem Rückweg an Orten, an denen Menschen sie finden können.
    Wenn das Wetter es zulässt, sucht euch einen guten Ort und nehmt euch Zeit für ein Oster-Picknick.
    Claudia Süssenbach, Gemeindedienst der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland