Geistliches Material

Wo immer ich bin,
wohin ich auch geh‘,
überall hörst du mein Gebet.
Und fehlen mir Worte,
dann hörst du, Gott,
was mein Herz dir sagt.
So arm mein Gebet auch sei,
du hörst mich.
Und könnte ich nur „Ach!“ sagen,
du wüsstest, was ich sagen will.
Amen


Beten geht auf vielfältige Weise, mit und ohne Worte, im Sitzen, im Gehen und im Stehen. Einige Menschen knien zum Gebet, andere strecken ihr erhobenen Hände zum Himmel aus. Es gibt keine richtige und falsche Art des Betens, nur , es hat jede/r seine eigene.
Alle Gebete und Texte, die hier zu finden sind, stellen ein Angebot dar. Wir wünschen uns, dass etwas dabei ist, was Sie persönlich anspricht und Ihnen hilft, etwas auszudrücken, was sie unbedingt sagen müssen.
Gott möge höre, was sie ihm sagen wollen.

Eine Liturgie für die Karwoche für unterwegs

Von Pastor Christoph Tischmeyer aus Angeln erreichte uns diese schöne Möglichkeit, durch die Karwoche zu gehen:

Persönliche Gebetszeit in der Karwoche 2020

Mich für die Gegenwart Gottes öffnen

Einige Hinweise vorweg:

1. Für diese Woche entscheide ich mich für eine Aus-Zeit, eine Gebetszeit von etwa 30 Minuten Länge, die täglich möglichst zur selben Zeit liegt. Vielleicht muss ich „meine Zeit“ erst finden, mit Rücksicht auf meine Lebensumstände und im Einklang mit meinem Tagesrhythmus. Wenn es einen Tag nicht klappt wie ich wollte, setze ich am nächsten Tag unbekümmert neu an.

2. Ich suche und wähle einen Ort in meinem Zuhause, an dem ich während der Meditations-zeit ungestört bin und mich wohl fühle. Das kann ein Zimmer sein, wo mich zur gewählten Zeit niemand stört. Vielleicht ist es aber auch nur eine kleine Ecke in einem Raum, die ich mir mit Hilfe eines Bildes, eines Kreuzes oder einer Kerze zu einem geistlichen Ort herrichte. Für diese Woche soll dieser Ort möglichst eingerichtet bleiben, also nicht jedes Mal wieder „aufgelöst“ werden.

3. Folgender Ablauf soll für diese Gebetszeiten gelten:

Einen bewussten Anfang setzen:

– Ich bereite bewusst meinen Ort vor (z.B. Kerze

  anzünden)

– Ich nehme eine Körperhaltung ein, die mir hilft,

  gelöst und wach da zu sein. Ich sitze oder knie.

– Ich werde mir bewusst, dass ich ungestört Zeit

  habe für mich selbst und für Gott. Vor Gott bin

  ich einfach da, so wie ich bin.

Ich komme zur Ruhe

– mit dem Anfangsgebet (s.u. A) oder mit eigenen

  Worten bitte ich darum, dass Gottes Geist „die

  Augen meines Herzens“ (Eph 1,18) öffne, damit

  ich ganz auf Gott/Jesus Christus ausgerichtet

  und offen bin für das, was jetzt zu mir kommen

  und an mir geschehen will. Vielleicht spreche ich

  das Gebet laut.

– Ich nehme bewusst meinen Körper wahr (s.u. B:

  „Körperwahrnehmung“) und nehme meinen

  Atem wahr, wie er kommt und geht

  (s.u. C: „Wahrnehmung des Atems“)

– Es folgt eine stille Zeit von 15 oder 20 Minuten.

Es kann eine große Hilfe für das innere Zur-Ruhe-Kommen sein, das Herzensgebet einzuüben.

Hier ist nicht der Ort, in das Herzens- oder Jesusgebet einzuführen. In aller Kürze gesagt, besteht diese uralte Gebetsform darin, auf den Ein- und Ausatem den Namen Jesu zu legen. Das klassische Jesus-Gebet legt auf den Einatem: „Jesus Christus“ und auf den Ausatem: „erbarme dich meiner“.

Die Kurzform legt auf den Einatem „Christus“ und auf den Ausatem „Jesus“.

Alternativ kann ich auf den Einatem: „Du in mir“ und auf den Ausatem „Ich in dir“ legen.

Nach der Stillezeit lese ich den biblischen Tagesimpuls (s.u.: D).

Es folgt ein freies Gebet – oder die Fürbitte (E), ein Dankgebet (F) oder der Tagesrückblick (G).

Meine tägliche Gebetszeit beende ich mit einem kleinen Ritual, z.B. mit einer Verneigung oder einem Kreuzzeichen, mit einem Vater unser oder einen Lobpreis (Ehre sei dem Vater) oder mit einem Lied. Und ich spreche einen Segen (zwei Vorschläge werden hier gemacht: H).

Bevor ich aufstehe, spüre ich nach, wie es mir ergangen ist, was in mir nachklingt. Möglicherweise halte ich einen Gedanken fest, male oder musiziere – oder höre bewusst ein Musikstück.

Für den Ostermorgen habe ich schließlich einen Teil der Osternachtsliturgie eingefügt (ganz unten).

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A. Fünf Anfangsgebete

Immerfort

empfange ich mich aus deiner Hand.

Das ist meine Wahrheit und meine Freude.

Immerfort blickt mich voll Liebe dein Auge an,

und ich lebe aus deinem Blick,

du mein Schöpfer und mein Heil.

Lehre mich,

in der der Stille deiner Gegenwart

das Geheimnis zu verstehen,

das ich selber bin.

Und dass ich bin durch dich 

und vor dir

und für dich.

(Romano Guardini)

Ewiger, heiliger, geheimnisreicher Gott.

Ich komme zu dir.

Ich möchte dich hören, dir antworten.

Vertrauen möchte ich dir und dich lieben,

dich und alle deine Geschöpfe.

Dir in die Hände lege ich Sorge,

Zweifel und Angst.

Ich bringe nur meinen kleinen Glauben

und habe oft keinen Frieden.
Nimm mich auf.

Sei bei mir, damit ich bei dir bin,

Tag um Tag.

Führe mich, damit ich dich finde

und deine Barmherzigkeit.

Dir will ich gehören,

dir will ich danken,

dich will ich rühmen,

Herr, mein Gott.

(Jörg Zink)

Gott, in der Stille dieses Tages

komme ich zu dir

und bitte dich um Frieden, Weisheit und Stärke.

Heute will ich die Welt mit Augen der Liebe ansehen, geduldig und verständnisvoll,

staunend, demütig und zärtlich.

Ich möchte hinter die äußere Erscheinung deiner Kinder schauen,

so wie du sie siehst,

und dankbar sein für das Gute in jedem Einzelnen.

Verschließe meine Ohren vor jedem Geschwätz.

Bewahre meine Zunge vor jeglichem Fluch,

dass nur Gedanken des Segens in mir bleiben.

Zeige mir deine Freude und Güte, o Herr,

dass ich dich widerspiegele

an diesem Tag

und an allen Tagen meines Lebens.

(nach Raquel Chancón)

Herr, öffne mir die Augen,

mach weit meinen Blick und mein Interesse,

damit ich sehen kann,

was ich noch nicht erkenne.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,

das sich dir überlässt

und zu tun wagt,

was es noch nicht getan hat.

Herr, ich weiß, dass ich nur lebe,

wenn ich mich von dir rufen und

verändern lasse.

(nach Ignatius von Loyola)

O du mein Gott,

nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.

O du mein Gott,

gib alles mir, was mich fördert zu dir.

O du mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

(Klaus von der Flüe)

B.  Körperwahrnehmung

Ich wähle eine Körperhaltung, die für mich bequem ist. Ich entspanne und lasse die Augen zur Ruhe kommen, geöffnet oder geschlossen.

Ich werde meines Körpers bewusst, indem ich in ihn hinein spüre: Wie bin ich jetzt da?

Ich gehe von den Füßen bis zum Scheitel meinen Körper durch und lass mich mit jedem Ausatem tiefer sinken:

Ich lenke meine Aufmerksamkeit auf einzelne Körperbereiche. Ich verweile so lange in diesen Körperbereichen, bis sie für mich ganz gegenwärtig und plastisch spürbar sind. Sie sind für mich lebendig, ich lebe in ihnen.

Ich lenke meine Aufmerksamkeit auf

die Handflächen beider Hände – die Finger – die Hände – die Unterarme – die Oberarme – die Schultern.

Jetzt lenke ich meine Aufmerksamkeit auf

die Sohlen beider Füße – die Zehen – den Fußrücken – die Ferse – die Füße – die Fußgelenke – die Waden – die Knie –

die Oberschenkel – der ganze Beckenbereich.

Das Kreuz – der Rücken in seiner Länge und Breite – die Schultern – der Nacken – der Kopf – das Gesicht – der Brustbereich – der Bauch – der Beckenbereich.“

C. Wahrnehmung des Atems

Ich setze mich aufrecht hin und stelle meine Füße hüftbreit nebeneinander auf den Boden.

Mit meinem ganzen Sein und meiner vollen Aufmerksamkeit bin ich da, in diesem gegenwärtigen Augenblick.

Ich spüre meinen Atem und folge ihm.

Mein Atem kommt und geht in seinem eigenen Tempo: ein – aus, ein – aus…

Mein Atem kommt und geht ganz von alleine.

Wie bin ich jetzt gestimmt?

Ich lasse alles da sein, was da ist.

Ich betrachte es wie ein Zeuge oder eine Zeugin. Ich sage ohne jede Bewertung:

Ja, so bin ich jetzt da.


Und ich mache mir bewusst: Auch wenn ich hier jetzt allein sitze, bin ich doch verbunden mit vielen Menschen, die wie ich die Stille und das Gebet suchen. Alle gemeinsam sind wir verbunden, ja eins mit Gott – ein großer Kreis, erdkreis-groß.

Jetzt lasse ich mich nieder im Herzensgebet (siehe oben). Oder bin einfach für eine Zeit (mind. 10 Minuten) stille. Die Dauer meiner stillen Zeit lege ich vorher fest.

D.  Tagesimpulse

Für Montag + Dienstag + Mittwoch:

Jesus Christus spricht: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“  (Joh 16,33)

Der Franziskanerpater Richard Rohr schreibt dazu:

„Die ‚Welt‘, von der die Bibel spricht, meint die Gesamtheit des Falschen Selbst. ‚Welt‘ meint nicht die Schöpfung, die Erde oder die Natur, sondern das, was wir vielleicht als ‚das System‘ bezeichnen würden (als das, was verkehrt läuft, was wir aber als allzu selbst-verständlich und unüberwindbar voraussetzen. CT). … ‚Die Welt‘ in der Bibel ist ein System wechselseitiger Schmeichelei und ständiger Belohnung des Falschen Selbst. Jesus hat gesagt: ‘In der Welt seid ihr in Bedrängnis. Aber habt Mut! Ich habe die Welt besiegt.‘

(Joh 16,33)  Er hat die Verführungen und Illusionen des Systems überwunden, indem er in einem vollkommen anderen Bezugsrahmen lebte, im ewigen Reich Gottes. Das Falsche Selbst ist keine Bedrohung und hat keine dauerhafte Anziehungskraft mehr, sobald wir das Wahre Selbst erkennen. Das meinen wir, wenn wir in der Osterzeit auf so viele verschiedene Weisen singen: „Jesus hat den Tod besiegt!“  Vielleicht würden die Menschen es besser verstehen, wenn wir sagen würden: ‚Jesus hat die Lüge offen-gelegt‘, denn es gibt natürlich immer noch jede Menge Tod, der nicht besiegt ist. Aber sobald der Schleier der Illusion einmal weggezogen wurde, ist das alles nur noch eine Frage der Zeit. Unser Falsches Selbst lässt nicht leicht los. Aber Gottes Zeit ist geduldig.“ (aus: Richard Rohr, Das Wahre Selbst, S. 61f.)

Gründonnerstag

Jesus bittet seine Jünger im Garten Gethse-mane: „Bleibt hier und wacht mit mir.

Wacht und betet! (Mk 14,34)

Nach dem Abend, an dem sie zum letzten Mal zusammen waren und Brot und Kelch geteilt haben, bittet Jesus seine Jünger darum, mit ihm aufzubleiben und zu wachen, wenn es eng für ihn wird: Er erwartet, abgeholt und verhaftet zu werden. Wir wissen, wie schwer es den Jüngern fällt, dieser Bitte zu entsprechen. Immer wieder fallen sie in den Schlaf, mehrmals weckt Jesus sie wieder auf…

Wie wach sind wir, den Bedrängten unserer Zeit gegenüber? Wie gern wollen wir z.B. das Flüchtlingsthema beiseite packen. Eigentlich müsste es uns um den Schlaf bringen, dass an Europas Grenzen auf Flüchtlinge geschossen wird, um sie von ihrem Grundrecht abzuhalten, auf europäischem Boden einen Antrag auf Asyl zu stellen. Oder die Diskussion, ob man Ertrinkende retten soll. Werden wir in Zukunft noch das Recht haben, von grundlegenden moralischen Werten und Menschenrechten zu reden, wenn wir unsere Werte so offensichtlich verraten haben?

Karfreitag

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“  Dem gequälten und leidenden Jesus fallen am Kreuz Worte

aus Psalm 22 ein…

Manchmal setzt sich die Nacht zu mir
und sagt: Sei nur geduldig.
Alle Dinge sind endlich,
sogar das Verzagen an der Endlichkeit.
Sogar die Schwere Deiner Füße,
die die Freundlichkeit der Erde nicht mehr finden,
sogar der dumpfe Ton der Stille,
den selbst Musik nicht mehr bezwingt,
sogar das Nicht-mehr-weiter-Wissen,
das Dich an jedem Ort besucht,
und auch die Angst.


(Giannina Wedde, aus: „Es wächst ein Licht in deinem Fehlen“, Vier-Türme-Verlag)

Dunkler Segen

Segne auch du uns, dunkler Gott,

du, der sich geheimnisvoll unserem Begreifen entzieht

der sein Antlitz vor uns verbirgt

unser Fragen mit Schweigen beantwortet.

Segne auch du uns, dunkler Gott,

du, der du uns Zumutung und Herausforderung bist

dessen Tun unergründlich bleibt

Segne uns, du dunkler Gott,

du schweigender

unfassbarer

harter    namenloser

Segne du uns, dunkler Gott,

damit wir den Mut haben

das Dunkel in uns wahrzunehmen

der Nacht zu glauben

uns auf den Grund zu gehen

Segne uns, dunkler Gott,

indem du böse Träume verjagst,

unsere Bilder von dir zerreißt

Erwartungen zerstörst

zum Aufbruch zwingst

Segne uns, du dunkler Gott,

segne den Aufbruch,

segne den Weg

und bleibe

dunkler, treuer

Wegbegleiter

(Andrea Schwarz)

Karsamstag

Paulus im 2. Korintherbrief (Vers 19f.)

„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu und hat unter uns aufge-richtet das Wort von der Versöhnung. …

So lasst euch versöhnen mit Gott!“

Richard Rohr schreibt:

„Aus irgendeinem Grund vergessen wir, dass Gott immer dann, wenn er vergibt und Erbarmen zeigt, gewissermaßen die eigenen Regeln bricht, sich inkonsequent und äußerst nicht-dualistisch verhält(d.h.: Er zeigt sich in Christus am Kreuz eben nicht als ein Gott, der Sünde und Böses bestraft, sondern diese überwindet und uns so mit sich und den dunklen Kräften in uns versöhnen will. CT). Wenn man ein einziges Mal die Gnade erfahren hat, ist das Vergeltungsuniversum ein für alle Mal zusammengebrochen: Gott ist überall und immer da und lässt sich – wie schockierend! – sogar inmitten von Versagen und Sünde finden. Wie könnte es auch anders sein, wenn Gott wirklich triumphieren soll? Es gibt tatsächlich keinen Ort, an dem Gott nicht zu finden ist.“  (Richard Rohr, Pure Präsenz, 90)

„Ich glaube, die zusammengefasste Bedeutung der Auferstehung Jesu liegt in dem großen Vers aus dem Hohelied: „Liebe ist stärker als der Tod!“ (8,6) Am Ende bleibt nur die Liebe. Liebe und Leben sind letztlich eins, und sobald Sie durch den Tod gegangen sind, werden Sie das wissen. … Die Liebe besitzt Sie. Sie sind Liebe. Unser tiefes Bedürfnis nach Liebe allein erkennt die Liebe. Denken Sie daran: Sie sind schon, wonach Sie suchen. Jede Furcht, Ihr Unglaube könnte die Treue Gottes aufheben, ist absurd (Röm 3,3), sagt Paulus.“ (Das Wahre Selbst, 175f.)

E.  Fürbitte

Barmherziger Gott,

du kennst die Sorgen und das Leid deiner Menschen, wo auch immer sie leben

und in welche Bedrängnisse sie auch immer kommen – durch Corona und vieles andere.

All die menschlichen Ängste, auch meine, bringe ich dir und bitte dich,

dass du mir hilfst, sie zu wenden,

in Kraft, Liebe und Klarheit.

Nimm von uns unsere Versäumnisse und

unser Fehlen.

Lass uns aufatmen in deiner Liebe.

Wir bitten dich für die Menschen,

die vergiftet sind von blindem Hass gegen Menschen, die anders sind als sie –

all das kommt aus ihrer Angst.

Segne sie mit der Geborgenheit und der Liebe,

die ihnen mangelt;

hilf ihnen aufzuwachen aus ihrem Albtraum.

Wir bitten dich für alle,

die Verantwortung tragen,

in Regierungen und Institutionen,

in Banken und Wirtschaftsunternehmen,

in den Protestbewegungen und

Klimainitiativen:

Schenk ihnen Erkenntnis des Guten,

Kreativität und Kraft für richtungsweisende neue Entscheidungen,

für nicht nachlassendes Engagement für deine Erde, für alle Kreatur:

Menschen, Tiere und Pflanzen –

dass wir alle gemeinsam die Heiligkeit des Lebens neu achten lernen.

Hilf deinen Kirchen und den Religionsführern dieser Welt, dass sie zuerst nach Frieden und Versöhnung fragen,

dass sie ihre Kraft nicht verschwenden, um sich gegenseitig zu bekämpfen,

sondern zu stärken in der Liebe,

die alle und alles verbindet – in dir.

Gib Frieden, Herr, gib Frieden!

Vater unser im Himmel…

F.  Dankgebet (zur Nacht)

Herr, mein Gott,

ich danke dir, dass du diesen Tag

zu Ende gebracht hast;

ich danke dir, dass du Leib und Seele

zur Ruhe kommen lässt.

Deine Hand war über mir

und hat mich behütet und bewahrt.

Vergib allen Kleinglauben

und alles Unrecht dieses Tages

und hilf, dass ich allen vergebe,

die mir Unrecht getan haben.

Lass mich in Frieden

unter deinem Schutz schlafen

und bewahre mich

vor den Anfechtungen der Finsternis.

Ich befehle dir die Meinen,

ich befehle dir dieses Haus,

ich befehle dir meinen Leib und meine Seele.

Gott, dein heiliger Name sei gelobt.

Amen.

(Dietrich Bonhoeffer)

G. Tagesrückblick

Ob wir schlafen oder wachen, leben oder sterben, wir sind dein, o Gott.

Zu dir kommen wir am Ende dieses Tages

und bringen alles vor Dich, so wie es war.

Hab Dank für das Gute –

und auch das Schwere halten wir dir hin.

Wir bitten dich:

Wandle alles, was war, in Segen.

Lass dein Angesicht über uns leuchten

im Dunkel der Nacht,

bewahre uns in deiner Barmherzigkeit

und geleite uns zum Licht des neuen Morgens.

Dich loben wir in Ewigkeit.

Amen.

(Kirstin Faupel-Drevs)

H.  Segen

Gott segnet und behütet mich.

Gott lässt das Angesicht leuchten über mir

und ist mir gnädig.

Gott erhebt das Angesicht auf mich

und schenkt mir Frieden.

Amen.

Gott, deinen Segen erbitte ich,

für mich und für alle:

Deine Gegenwart umfange uns

Deine Liebe halte und heile uns.

Deine Kraft wirke in uns.

Deine Weisheit sei unsere Ratgeberin

In allem, was wir beginnen und beenden,

heute und morgen

und alle Tage unseres Lebens.

Amen.

Aus der Liturgie der Osternacht

[in anderen Jahren um 5.30 Uhr

vor der Kirche am Feuerkorb]

[Die Nacht der Welt]

Es ist Nacht. Noch umfängt uns Dunkelheit.

Oft beschweren uns Nachtgedanken.

Menschen sind schlaflos vor Sorgen.

Menschen sind bestimmt von Ängsten.

Oft genug fehlt uns der Mut zu einem offenen Wort.

Die Kraft zur befreienden Tat.

Die Phantasie, die Dinge anders anzugehen –

Neues zu versuchen.

Menschen werden hart, weil sie unterdrückt

werden, weil sie chancenlos sind, weil sie Gewalt erleben oder Krieg, weil sie auf die Flucht gehen müssen.

Ihr Leben ist ein Kampf – jeder neue Tag.

Gott, vor dir denken wir an die Menschen,

die auf der dunklen Seite des Lebens stehen:

Die sich einsam und verlassen fühlen.

Die in ihrer Trauer gefangen sind.

Die sich gefesselt und eingeengt fühlen.

Mach uns frei von falschen Wünschen, Gott,

vom „immer mehr“, „immer schneller“, „immer öfter“.

Befreie uns aus Übersättigung und Überdruss,

verhilf uns zu neuer Klarheit und Einfachheit.

In dieser Nacht liegt Gott in Christus bei den

Ängstlichen, den Hoffnungslosen und den Toten.

Wir halten einen Moment inne und wenden alles Tote zu Gott!              S T I L L E 

[Wie alles begann –

Schöpfung von Licht und Menschen]

In dieser Nacht wachen überall auf der Welt

Christenmenschen und warten auf das Licht.

Weit zurück gehen unsere Gedanken in dieser Nacht.

Zurück an den Anfang, als Gott das Licht erschuf.

Wir erinnern, wie alles begann:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Die Erde aber war wüst und leer.

Dunkelheit war da über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

Da sprach Gott: „Es werde Licht!“

Und Licht wurde.

Gott sah das Licht: Ja, es war gut!

Und Gott trennte das Licht von der Finsternis.

Gott nannte das Licht „Tag“, und die Finsternis nannte er „Nacht“.

Es wurde Abend, und es wurde Morgen:

Erster Tag.  (Genesis 1,1-5)

Am Anfang war also Gottes Freude am Licht. –

Wir erinnern uns auch, wie es mit uns Menschen begann:

Dann sprach Gott: Ich will Menschen machen,

als mein Ebenbild, mir ähnlich. Sie sollen Herrscher und Hüter sein über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.

Gott schuf also die Menschen als sein Abbild;

als Mann und Frau schuf er sie.

Dann segnete Gott sie, mit Fruchtbarkeit und Kraft.

Und Gott sah die ganze Schöpfung an, die er gemacht hatte. Und siehe, alles war sehr gut!  (Genesis 1,26-28a.31)

Doch nichts blieb wie es war.

Der Mensch verlor sich und seinen Gott gleichzeitig. Er wurde zum Himmel wie auch zur Hölle fähig, er liebt und tötet bis heute.

Er hat einen Ursprung, den er zugleich verehrt und leugnet. In Christus haben wir gesehen, wie das Leben in Gott aussehen kann.

Aber auch, wie es scheitert.

Und nun sitzen wir und warten, was daraus wird, eine Nacht, ein Leben, generationen-lang.

(Gebet):  Ich bitte dich, Gott:

Stecke uns an in deiner Freude über das Licht des Anfangs.

Schenke uns Offenheit,

lass dein Licht leuchten in unserer Seele.

Hilf uns, die Zeichen deiner Gegenwart wahrzunehmen:

In den Menschen, denen wir begegnen

und in dem, was uns tagtäglich geschieht.

(kräftiger Ausruf): 

In dieser Nacht befreit Gott uns aus unserer Enge,

unserer Dumpfheit und Erstarrung!

Gott löst uns die Fesseln und wir werden schmecken,

was es heißt, frei zu sein!

(Gebet): 

Ja, barmherziger Gott, das bitten wir dich:

Lass den Tag der Befreiung heraufziehen für uns – heute! Erwecke uns zu neuem Leben.

Aus der Nacht unserer Welt erwecke uns.

Wir sind doch deine Kinder!

Erwecke uns zu Dir, damit wir mit Christus

auferstehen und Dein Licht schauen in Ewigkeit.

Amen.

Lebendiger Gott:

aus dem Schlaf der Sicherheit: 

                        Weck uns auf!

Aus dem Tod der Hoffnung

                        Weck uns auf!

Aus der Faulheit des Denkens

                        Weck uns auf!

Aus der Dürre der Phantasie

                        Weck uns auf!

Aus dem Schlaf der Sinne

                        Weck uns auf!

Kräftiger Osterruf:

Wache auf, der du schläfst und stehe auf von den Toten.

Über dir wird das Licht aufleuchten: Jesus Christus!

Die Osterkerze wird mit einem Holzscheit aus dem Feuer entzündet.

„Diese Kerze weist hin auf Christus. Er war verlassen wie wir in der Nacht des Todes. Aber Gott griff nach ihm und brachte ihn ans Licht, in ihm haben wir das Leben.“

3x 3x erklingt der Liedruf:

Christus ist das Licht!“ und die Gemeinde antwortet: „Gott sei ewig Dank!“

[Eröffnungsruf] – 

Dein neues Licht, Gott,

strahle über uns auf wie die Sonne am Morgen!

Komm und sei unter uns, damit wir aufstehen aus unseren Gräbern.

Mach hell die Finsternis unserer Herzen. Schaffe uns und alle Welt neu in deiner Liebe.

In deinem Licht sehen wir das Licht!

Das Osterevangelium aus Johannes 20 lesen!

Der Herr ist auferstanden,

er ist wahrhaftig auferstanden!

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.“   Paulus im 2. Kor. 5,17

F r o h e  O s t e r n !