Sunnivaleia (Norwegen)

Sunnivaleia_logo_web_336Es gibt an der Westküste Norwegens, von Floro nach Selje, einen Pilgerweg mit Namen „Sunnivaleia“, benannt nach der norwegischen Heiligen St. Sunniva, der einzigen weiblichen Heiligen in Norwegen.

Dieser Weg wird von der norwegischen Pastorin Kari Leine Balog und von Jorund Levorstad organisiert. Beide können sehr gut Deutsch. Sie möchten gerne den Weg in Deutschland bekannter machen und auch Deutschen die Teilnahme an dem Weg ermöglichen.
Hier ist die Internetseite dazu: www.sunnivaleia.no/

Lassen sie sich für den Weg begeistern, hier eine Sunnivaleia Präsentation

Im Jahr 2017 gibt es wieder eine geführte Pilgerwanderung für Deutsche und Norweger gemeinsam: Sunnivaleia – ein Norwegischer Pilgerweg von Insel zu Insel

Hier ein Bericht von Christel Willers:

Sunnivaleia – ein Traum von Weg

Pilgern auf der Sunnivaleia
Einmal Fjorde sehen und erleben beim Pilgern in Norwegen! Das war meine Motivation!
Hinzu kam der inspirierenden Vortrag in unserem Pilgerzentrum mit spektakulären Foto´s vom Weg
vor einigen Monaten.
Ich war sofort begeistert und habe mich kurzerhand entschlossen, im Westen Norwegens zu pilgern,
auf der Sunnivaleia von Kinn nach Selje, dem nach der norwegischen Heiligen St. Sunniva
benannten Pilgerweg.
Hier zu pilgern bedeutet nicht nur zu Fuß unterwegs zu sein, sondern auch die Fährschiffe zu
benutzen, um im zerklüfteten und fjordreichen Westen von A nach B zu kommen. Ein Pilgerweg
über See und Land auf befestigtem und unbefestigtem, größtenteils markiertem Gelände.
Für mich eine neue Art zu pilgern.
Innere Einkehr und beten mit den Füßen, nun auch auf dem Wasser!
So aber sind Pilgerinnen und Pilger vor Jahrhunderten schon unterwegs gewesen, auch nach
Santiago de Compostela.
Schon die Anreise per Flugzeug über Oslo nach Bergen bei allerbestem Wetter zeigte nicht nur
zauberhafte Wolkengebilde, sondern gab auch den Blick auf einige Ffjorde und Inselformationen
jeglicher Größe, teils völlig unbewohnt, frei.
Von Oslo aus kann man auch gut mit der Fluggesellschaft Wideroe direkt nach Florö weiterfliegen.
Ein kurzer Zwischenstopp in Bergen lohnt aber immer kann ich nur sagen. Nicht nur, um die
Anreise zu unterbrechen, um zB erst einmal in Ruhe in Norwegen anzukommen, sondern auch im
Hinblick auf die landestypische Architektur, die zB für Bergen bekannten Brygger Handelshäuser,
die gleich neben dem ebenfalls sehens- und erlebenswerten Fischmarkt zu finden sind. Unweit
davon entfernt lässt es sich wunderbar im YMCA Hostel übernachten. Von der Terrasse aus hat man
einen traumhaften, mit Blick auf den Fährhafen, insbesondere bei Sonnenuntergang.
Eine Weiterreise nach Florö ist neben der Flugmöglichkeit wahlweise auch per Fähre oder Bus
möglich.
Wir, die Kleingruppe von St. Jacobi, sind während einer gemeinsamen Autofahrt schon ein wenig
eingetaucht in das Norwegen, das uns vom Olavsweg her bekannt ist, ….. grandiose Landschaft, die
unendlichen, unbewohnten Weiten, das karge Dovrefjell, die Blumen und kleinwüchsigen Flechten
etc. Herrlich diese einsamen Landstriche, das Gefühl „auf sich selbst zurückgeworfen zu sein“ wird
dabei lebendig.
Aber, ….. wir wollten ja nicht alleine pilgern, uns erwartete eine gute Organisation und kundige
Wegführung.
Kari und Jorund führten die Gruppe. Wir trafen sie und andere Pilgerinnen und Pilger in Florö.
Der Pilgerweg begann am nächsten Tag. Er startete nach einer Schiffsfahrt zur Insel Kinn, einem
Gottesdienst in der Mittelalterkirche und dem dann folgenden historischen Schauspiel um die
Heilige Sunniva. Auf Kinn ist die heilige Sunniva seinerzeit angelandet nach ihrer Flucht aus Irland.
Vor einer eindrucksvollen Naturkulisse wird ihr Schicksal dargeboten.
Ein bewegender Anfang, ……in den nächsten Tagen folgen wir Sunnivas Spuren bis hin zur Insel
Selje.
Der Tagesrhythmus stand im Groben fest, es gab sich wiederholende Tagessequenzen, …..eine
Erleichterung für die Pilgerseele, für´s Innehalten, die Innenschau.
Immer wieder fand sich eine Kirche für unsere Andachten, entweder vor Ort oder auf dem Weg.
Die Wegstrecken wechselten, meist gab es Natur pur, es ging immer wieder bergauf und bergab auf
teilweise schmalen Pfaden, aber auch auf breiteren Wegen, zeitweise auf Straßen und einmal durch
einen Autotunnel.
Die Unterkünfte unterschieden sich nicht wesentlich. Wir schliefen im Hotel, in landestyische
Holzhäusern, in einem Nebengebäude eines Leuchtturms, in einem Landwohnheim…. kein
Matratzenlager.
Die Versorgung variierte. Das Frühstück und die Brotzeiten wurden selbst bereitet und einige Male
auch die warme Mahlzeit. Meistens wurden wir jedoch bekocht. Im Leuchtturm gab es leckeren,
erst nach aufgegebener Bestellung, selbstgebackenen Kuchen und ein feines Essen aus
ausschließlich frischen Produkten.
Überwältigend war die Einladung der Familie Woold zum Abendessen, gleich nach unserer Ankunft
in Selje.
Ein Empfang der angekommenen Pilgerinnen und Pilger ist ihnen eine Herzensangelegenheit.
Zubereitet war ein fürstliches Mahl, und die Familie blieb dabei ausschließlich in der
Gastgeberrolle, eine ungewöhnliche Situation. Nachtisch und Kaffee wurden im angrenzenden
Wintergarten eingenommen, dem Austausch von Informationen folgten angeregende Gesprächen
über Gott und die Welt. Alles bei atemberaubendem Blick auf den Fjord.
Am Folgetag führte uns unsere letzte Etappe zur Klosterruine auf der Insel Selja. Mit einem
feierlichen Abendmahlsgottesdienst in der Sunnivahöhle endete unser gemeinsamer Pilgerweg.
Aber,….. es gab dank der besonderen Gastfreundschaft von Kari die Möglichkeit, noch ein paar
Tage in Selje zu bleiben, den Ort zu erkunden, auszuruhen.
Richtig ankommen; ein gutes Gefühl!
Dann ging es wieder gen Heimat.
Empfehlenswert ist, das Schiff von Selje entweder bis nach Florö (von dort weiter mit dem
Flugzeug zunächst bis nach Oslo) oder direkt bis nach Bergen zu nehmen. Es fährt teilweise vorbei
an der gepilgerten Wegstrecke mit somit bekannten Ausblicken und vorbei an wilden
Küstenlandschaften und Fjorden, an kleinen und größeren Inselgruppen.
Die beeindruckende norwegische Landschaft wird von Seeseite aus wieder ganz anders
wahrgenommen.
Noch ein paar Tage in Bergen und dann ging es mit der Bergenbahn zurück von Bergen bis nach
Oslo. Das braucht ein wenig Zeit, ist aber lohnenswert.
Eine Fahrt durch das Landesinnere durch kleine Ortschaften und hinauf bis auf 1.222 m Höhe in
ein Skigebiet……. wunderbare Eindrücke von Norwegen fliegen wieder mit nach Hause.
Pilgern auf der Sunnivaleia ….. so kann es sein!!
Näheres unter www.sunnivaleia.no

Sunnivaleia – eine Wanderung nach Selje, dem Geburtsort der norwegischen Kirche

Letzten Sommer ging ich 100 Kilometer zu Fuss als Pilger, zum ersten Mal in meinem Leben. Die Wanderung ging von Kinn nach Selje. Diese beiden historischen Orte gaben den Hintergrund für diese erste Probewanderung an der Westküste Norwegens. Die Wanderung begann in Florø. Die Insel Kinn liegt 15 km westlich von Florø. Sie ist eine der westlichsten Inseln in Norwegen, die dauerhaft bewohnt ist. Kinn ist bekannt wegen seiner alten Mittelalterkirche, aus dem 11. Jahrhundert n.Chr. Die Kirche ist mit einer wurderschönen, originalen Lektorie geschmückt. Sie liegt in der Nähe von Kinnakloven, einer charakteristischen Bergformation, die einem gespaltenen Huf ähnelt.

Auf der Insel Selje liegt das Kloster und der heilige Bezirk.Ungefähr im Jahre 1100 wurde ein Benediktinerkloster gegründet und bis 1475 betrieben. Es war St. Albanus geweiht und ist vermutlich das älteste Kloster Norwegens. Der Hintergrund dafür, um hier ein Kloster zu gründen, waren vermutlich Ereignisse, die mit den Seljumännern und St. Sunniva zusammenhingen. St. Sunniva wurde kurz nach dem Jahre 1000 n.Chr. als Heilige verehrt, und Selja war das erste Pilgerziel in Norwegen.

Die Legende erzählt, dass Sunniva, die Königin von Irland, Prinzessin Borni und die Seljumänner kurz nach der Tausendjahrswende nach Norwegen kamen. Sie floh von einem Wikinger, der in Irland gewütet hatte, und sie zur Frau nehmen wollte. Sie wollte ihren christlichen Glauben nicht aufgeben und sie flüchteten in offenen Booten über das Meer. Sie hatten weder Segel noch Ruder und liessen sich dorthin führen wo der Herr wollte. Auf diese Weise kam Borni auf die Insel Kinn und Sunniva nach Selja.Die Anwohner auf dem Festland glaubten die Seljumänner und Sunniva waren Diebe und sandten den Jarl Håkon zur Insel, um sie zu töten. Sie flüchtete mit ihren Männern in die Mikaelshöhle und betete, verschohnt zu werden. Da löste sich ein Erdrutsch und verschloss die Höhle. Später sah man ein wunderliches Licht auf der Insel. Köning Olav Tryggvason reiste, zusammen mit dem Bischof, im Jahre 996 dorthin. Sie fanden Sunniva tot, aber unversehrt. Sie betteten sie in einen geweihten Schrein und erbauten die erste Kirche auf der Insel Selja. Ich wohne in Stårheim.Warum soll man sich nach dem Fernen sehnen, wenn man das Nahe wählen kann. Nachdem uns Pfarrerin Benedikte Øen mit einer schönen Zeremonie in der Kirche von Florø auf den Weg geschickt hatte, gingen wir hinunter zum Kai und fuhren mit dem Schiff zur Insel Reksta. Unser Gepäck wurde nach Kinn gesandt. Von nun an brauchten wir nur Rucksäcke mit dem Tagesbedarf tragen. Die Wanderung kostet 4.000,- NOK. Im Preis sind Kost, Logi und der Fahrpreis für die Fähren inbegriffen.

Wir waren 16 Teilnehmer im alter von 50 bis über 80. Wir wurden von Pfarrerin Kari Leine Balog während der ganzen Wanderung begleitet. Die Wanderung verlangte, dass man in guter physischer Form war, weil wir grosse Teile des Tages wanderten. Wir gingen auf asfaltierten Strassen, aber auch auf Bergpfaden und über mehrere Pässe. Unsere ältesten Teilnehmer waren in überdurchschnittlich guter form. Die Übernachtungen variierten vom Matratzenlager bis hin zu Einzelzimmern mit Bad. Die Mahlzeiten bestanden aus einem gemeinsamen Frühstück, wo man sich auch seine Brotzeit für die Wanderung schmierte. Am Abend gab es ein gemeinsames Abendessen. Das Wetter an der Westküste kan sehr veränderlich sein. Deswegen ist es absolut notwendig, gutes Regenzeug und wasserdichte Wanderschuhe dabei zu haben. Man muss aber auch kurze Hosen, T-shirts und Badezeug mitnehmen. Wir gingen durchschnittlich 20 km am Tage. Auf der Insel Reksta gingen wir in Selevåg an Land. Der ortskundige Pfarrer Knut Magne Nesset führte uns, der Länge nach, über die Insel.

Das Wetter war wechselnd, ein Bischen Regen, aber auch stechende Sonne. Auf der anderen Seite der Insel, in Rognaldsvåg, wurden wir von Arne Sunde empfangen.Er erzählte uns, beim Kaffe Trinken, aus der alten Zeit auf Reksta. Nach einem kurzen Besuch im Gebetshaus fuhren wir mit dem Schiff weiter auf die Insel Kinn. Einige teilnehmer übernachteten in der alten Schule von Kinn. Andere wurden bei unserer Gastgeberin und Fremdenführerin Gry Seim einquartiert. Am Tag darauf führte uns unsere Gastgeberin rund um die Insel. Wir besuchten die Höhlen in denen, der Sage nach, sowohl Olav Tryggvason, als auch Skjetland‘s Larsen, Schutz gesucht hatten. Die Tour endete in der alten Mittelalterkirche von Kinna, die um 1100 n.Ch. erbaut wurde.Von dort aus sieht man direkt in die Schlucht von Kinna. Gry Seim zeigte uns die Kirche und machte für uns Musik. Nach einer guten Brotzeit ging es mit dem Schiff nach Smørhavn. Wir gingen ein paar Kilometer zum Handelszentrum Smørhavn. Dort trafen wir unsere Wirte, Kari und Knut Arne Vadøy. Sie erzählten uns die Geschichte des Handetszentrums dessen Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Er wurde zum Teil aus dem Material der alten Kirche von Frøya erbaut.

Am Abend gingen wir zur alten Kirche von Frøya. Dort hielt Pfarrer Fridleif Lydersen von Farøy eine kleine Andacht für uns. Der Nachhauseweg wurde feucht. So da war es gemütlich mit einem guten Abendessen, das uns Mitglieder der Gemeinde servierten. Jetzt waren wir schon drei Tage unterwegs. Wir waren eine fröhliche Gemeinschaft geworden und unterhielten uns rege. Jeden Morgen jedoch, bevor wir losgingen, hatten wir eine halbe Stunde Stille. Nach einigen Worten zum Nachdenken von Pfarrerin Kari wanderten wir schweigsam weiter. Jetzt ging die Wanderung über Bremanger. Als Begleiter hatten wir den ortskundigen Verwaltungsleiter Gunnar Skjølberg. Weiter auf diesem Wege nach Kjerpeseth und von dort über den Berg nach Ryland. Dieser Weg war extra für die Pilgerfahrt geräumt worden. Wir fühlten uns sehr privilegiert. In Ryland machten wir Brotzeit. Danach gingen wir weiter nach Grotle. An diesem Tage gingen wir weit, 23 km. Wir kamen dann zum alten Friedhof von Grotle und gingen weiter zum Strand von Grotle.

Danach ging es zurück nach Iglandsvik. Dort übernachteten wir in Havly. Hier hiess es, Stiefel und Ausrüstung trocknen, nachdem wir mehrere Tage im Regen marschiert waren. Am vierten Tage unserer Wanderung scheinte die Sonne von einem wolkenfreien Himmel. Wir gingen von Havly nach Hauge. Weiter über Hågssaket und hinunter zum Dalevatnet. Wir assen bei der alten Schule von Dalsheimen. Von hier aus begann der Aufstieg über einen Pass und danach hinunter nach Oldeide. Weiter ging es mit der Fähre nach Måløy. Hier bekamen wir eine Einführung in die Geschichte der Stadt von Terje Sølvberg und besichtigten die Kirche. Beim Ivahavet traffen wir die Bootgruppe ”über Stock und Stein”. Wir ruderten mit zwei ”Sechsern mit Steuermann” zum Leuchtturm von Ulvesund. Beim Leuchtturm von Ulvesund hiess uns Sølvi Hopland willkommen. Die Sonne sank ins Meer um 23.00 Uhr und färbte alles rot. Wir waren gespannt auf den fünften Tag. Wir sollten nach Bryggja gehen. Dieser Teil der Wanderung wurde inzwischen evaluiert. Nächstes Jahr werden wir sicher eine andere Route wählen. Wir hatten wunderbares Wetter und es war ein schöner Tag zusammen mit unserer Führerin Anne-Karene Vederhus. An diesem Abend wurden wir von gastfreundlichen Familien in Totland und Umgebung bewirtet. Wir übernachteten im Fjordly Landwohnheim. Am nächsten Tag gingen wir in strahlender Sonne ca. sechs Kilometer hinauf zum Rimstad-Tal.

Von dort aus führte uns Grete Fure, Fremdenführerin auf dem Stadtland, hinüber nach Berstad. Das war ein alter Handelsweg. Hier ging auch die alte Postroute von Selje zum Nordfjord. Auf dieser Route arbeiete der Italiener Pissani als Postbote im Forigen Jahrhundert. Wohl angekommen in Berstad wurden wir nach Hause zur Bürgermeisterin Gunn Helgesen eingeladen. Jetzt blieben nur noch die letzten Kilometer zur Pfarrei in Selje. Wir kamen dort ca um 17.00 an. Wir wurden fast etwas verlegen weil man dort eine phantastisches Abendessen aufgetischt hatte: Kalte Platte auf einer langen Tafel mit Kerzenlicht und Blumen geschmückt. Es schmeckte allen phantastisch, und alle waren sehr dankbar für diese wunderbare Pilgerfahrt. Am Samstag Abend waren wir auf einem Konzert mit den Knabenchor ”Sølvguttene” in der Kirche von Selje. Das war ein phantastisches Erlebnis.

Am Sonntag, dem 4. Juli, fand die Seljumannamesse statt. Das war das Ende unserer Wanderung. Es war ein schöner Gottesdienst in den historischen Ruinen von Selje Kloster am offenen Meer.

Jorund Levorstad, Stårheim 010910

Quelle: www.eurovia.tv