Der Hærvejen (Dänemark)

Auf der dänischen Halbinsel Jütland gibt es einen Pilgerweg, der über knapp 300 km die beiden Städte Viborg und Padborg miteinander verbindet.
Gen Süden schließt er an den Ochsenweg in Schleswig-Holstein an, Richtung Norden weiter über Frederikshavn mit Fährverbindung an den Olavsweg in Norwegen.

Ausführliche Informationen, Karten zum Download sowie ein Verzeichnis aller Pilgerherbergen findet man unter

www.haervej.de

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Pilgern in Dänemark? Tatsächlich! In Dänemark kann man pilgern, und zwar mindestens genauso schön wie auf den bekannten Pilgerwegen in Spanien. Das habe ich nicht glauben wollen, bis ich es selbst ausprobierte.

Dänemark, gerade einmal einen Steinwurf entfernt und ein Land, das ich bislang nur als Transitstrecke für Urlaube ins „richtige“ Skandinavien oder als klassisches Ferienhausurlaubsland kannte. Hier gibt es einen Pilgerweg, Hærvej oder Heerweg genannt, der mitten durch Jütland führt und der mich begeistert hat.

Wie auch andere Pilgerwege so hat auch dieser Weg seine Geschichte. Hier fanden nicht nur Händler mit ihren Waren den Weg nach Mitteleuropa, auch Pilger zogen auf den verschlungenen Pfaden gen Süden, um die Pilgerziele Santiago de Compostela oder Rom zu erreichen.
Und damit diese Strecke möglichst trockenen Fußes zurückgelegt werden konnte, verlief der Weg auf dem jütländischen Höhenrücken entlang der Wasserscheide zwischen den östlichen und westlichen Wasserläufen. Was aber nicht heißt, dass man unterwegs kein Wasser zu sehen bekommt.

Heervejen05Der in beide Richtungen gut ausgeschilderte Weg führt immer wieder entlang von Flüssen und Seen, quert unberührte Hochmoore, Heidelandschaften und alte Eichenwälder, aber auch Fichtenforste, Weihnachtsbaumplantagen und Maismonokulturen liegen auf dem Weg. So erhält man Schritt für Schritt mal sehr reizvolle, mal eher eintönige Einblicke in die Landesgeographie Dänemarks.

Das allein mag noch nicht überzeugen, um Dänemark als Pilgerziel entdecken zu wollen. Was diesem Weg aber seinen besonderen Reiz gibt, sind die Pilgerherbergen, die entlang des Weges liegen. Wie auf den spanischen Jakobswegen besteht auf dem Hærvej die Möglichkeit, in einer der einfachen Pilgerherbergen für eine Nacht ein günstiges Quartier zu finden – ganz ohne Anmeldung und Reservierung.

In der Regel liegen die Herbergen auf alten Bauernhöfen, in denen einzelne Gebäudeteile in den letzten Jahren mit viel Liebe und architektonischem Knowhow zu Pilgerherbergen umgebaut wurden. Nicht nur einen Schlafplatz findet man dort, sondern auch Koch-, Dusch- und Waschgelegenheiten sowie Proviant. Und natürlich andere Pilgerinnen und Pilger.

Die Herbergen liegen in pilgerfreundlichen Abständen entlang des Weges und einige unter ihnen versprühen einen derartigen Charme, dass man gern auch eine zweite Nacht bleiben möchte. Aber – wie auch in Spanien – stehen die Herbergen immer nur für eine Nacht zur Verfügung und das auch nur in den Monaten Juni, Juli und August – den idealen Monaten für Pilgerwanderungen im Norden.

Herbergen gehören für mich zum Pilgern einfach dazu, auch wenn (oder gerade weil) sie meist einfach sind und gegenseitige Rücksichtnahme einfordern. Sie sind aber auch Orte der Begegnung und der Gastfreundschaft und beides möchte ich beim Pilgern nicht missen. Und wer am überlegen ist, auf einem der spanischen Pilgerwege zu wandern und vorher mal seine Wanderstiefel und das Pilger(herbergs)leben austesten möchte, der ist auf dem Hærvej ganz sicher gut aufgehoben. Ist ja gerade mal einen Steinwurf entfernt…

Hier gibt es weitere Eindrücke vom Hærvejen: (Bitte auf das erste Bild klicken und dann jeweils in die rechte Bildhälfte)

Bericht und Fotos: Elisabeth von Meltzer, (e.vonmeltzer@t-online.de) August 2014